Annahme und Ausschlagung der Erbschaft

  • Mit der Annahme der Erbschaft werden Sie endgültiger Erbe; gleichzeitig verlieren Sie Ihr Recht, die Erbschaft auszuschlagen.
  • Die Annahme ist nicht an eine bestimmte Form gebunden. Sie kann durch ausdrückliche Erklärung, schlüssiges Verhalten oder Verstreichenlassen der Ausschlagungsfrist erfolgen.
  • Durch schlüssige Erklärung erfolgt die Annahme, wenn aus Ihren Äußerungen oder Handlungen zu schließen ist, dass Sie die Erbschaft behalten wollen, z.B. indem Sie einen Erbschein beantragen oder einen Nachlassgegenstand auf sich umschreiben lassen.
  • Als Erbe sollten Sie beachten, dass Äußerungen oder Handlungen in Bezug auf die angefallene Erbschaft als Annahme ausgelegt werden können. Wenn Sie Ihr Verhalten nicht als Annahme der Erbschaft verstanden wissen wollen, sollten Sie dies gegebenenfalls ausdrücklich klarstellen.
  • Als Annahme der Erbschaft gilt auch, wenn Sie die für die Ausschlagung der Erbschaft vorgeschriebene Frist haben verstreichen lassen. Allerdings kann die Versäumung der Frist wie die Annahme angefochten werden.
  • Mit der Annahme der Erbschaft sind für Sie als Erbe bedeutende Rechtsfolgen verbunden. Insbesondere sind mit der Annahme der Erbschaft der Nachlass und Ihr eigenes Vermögen nicht länger getrennte Vermögensmassen.
  • Wenn Sie nicht Erbe sein wollen, müssen Sie die angefallene Erbschaft form- und fristgerecht ausschlagen. In diesem Fall erhalten Sie zwar nicht die Vermögenswerte des Nachlasses, werden aber auch nicht mit den Nachlassverbindlichkeiten belastet. Wenn Sie als Erbe die Erbschaft angenommen haben, verlieren Sie Ihr Ausschlagungsrecht.
  • Wenn der Nachlass unübersichtlich ist und keine gesicherte Aussage getroffen werden kann, ob eine Überschuldung vorliegt, sollten Sie nicht vorschnell und leichtfertig die Erbschaft ausschlagen. Ihren Interessen, Ihre Haftung auf den Nachlass zu beschränken, kann in diesem Fall auch die Nachlassverwaltung gerecht werden.
  • Die Ausschlagung der Erbschaft kann in zwei Formen erfolgen: Sie können die Ausschlagung zur Niederschrift gegenüber dem Nachlassgericht oder in öffentlich beglaubigter Form vor einem Notar erklären.
  • Die Ausschlagungserklärung kann nur gegenüber dem Nachlassgericht abgegeben werden.
  • Die Ausschlagung der Erbschaft kann nicht wirksam durch einen Brief oder ein Fax an das Nachlassgericht erklärt werden.
  • Die Ausschlagungsfrist beträgt sechs Wochen. Die Frist beginnt erst zu laufen, wenn Sie von dem Anfall der Erbschaft und dem Grund, warum Sie Erbe werden Kenntnis erlangt haben.
  • Sind Sie durch eine Verfügung von Todes wegen zur Erbfolge berufen, so beginnt die Ausschlagungsfrist erst mit der Eröffnung des Testaments oder des Erbvertrags.
  • Die Ausschlagungsfrist beträgt sechs Monate, wenn der Erblasser seinen letzten Wohnsitz nur im Ausland gehabt hat oder wenn Sie sich als Erbe bei dem Beginn der Frist im Ausland aufhalten.
  • Wenn Sie nicht innerhalb der Ausschlagungsfrist die Erbschaft ausschlagen, gilt die Erbschaft als angenommen. Eine Verlängerung der Frist ist weder durch das Nachlassgericht noch durch den Erblasser möglich.
  • Wenn Sie die Erbschaft form- und fristgerecht ausschlagen, sind Sie nicht Erbe geworden. Sie müssen alles, was Sie aus dem Nachlass erlangt haben, an den endgültigen Erben herausgeben. Sie sind nicht Gesamtrechtsnachfolger des Erblassers geworden. Sie haften nicht für die Nachlassverbindlichkeiten, im Gegenzug steht Ihnen aber auch nicht das Aktivvermögen des Erblassers zu. Sie erwerben grundsätzlich auch keinen Pflichtteilsanspruch.
  • Wenn Sie die Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft bereuen, können Sie die Erklärung unter Umständen anfechten. Dies gilt auch, wenn Sie das Ende der Ausschlagungsfrist versäumt haben.
  • Als Anfechtungsgründe kommen insbesondere der Inhaltsirrtum und der Irrtum über verkehrswesentliche Eigenschaften in Betracht.
  • Die Anfechtung der Annahme oder Ausschlagung erfolgt durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht und zwar entweder zur Niederschrift des Nachlassgerichts oder in vom Notar öffentlich beglaubigter Form.
  • Der Anfechtungsgrund muss bei der Anfechtung nicht angegeben werden. Gleichwohl wird empfohlen, den Grund der Anfechtung wenigstens in groben Zügen darzulegen.
  • Wird die Annahmeerklärung oder die Versäumung der Ausschlagungsfrist angefochten, so bewirkt die Anfechtung die Ausschlagung der Erbschaft. Umgekehrt gilt die Anfechtung der Ausschlagung als Annahme der Erbschaft. 

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