Erbengemeinschaft

  • Als Miterbe einer Erbengemeinschaft steht Ihnen kein bestimmter Bruchteil zu; vielmehr gehören alle Gegenstände des Nachlasses den Miterben gemeinschaftlich. Sie haben als Miterbe also kein Teilrecht an einem Nachlassgegenstand.
  • Gesetzlich steht die Verwaltung des Nachlasses den Miterben gemeinschaftlich zu, wobei jeder Miterbe dem anderen gegenüber verpflichtet ist, zu Maßnahmen, die zur ordnungsgemäßen Verwaltung erforderlich sind, mitzuwirken.
  • Maßnahmen, die über die ordnungsmäßige Verwaltung hinausgehen, können nur mit Zustimmung aller Miterben vorgenommen werden. Wenn also eine zum Nachlass gehörende Immobilie verkauft werden soll, bedarf dies des Einvernehmens aller Miterben.
  • Für Maßnahmen der ordnungsmäßigen Verwaltung genügt ein Mehrheitsbeschluss. Die Mehrheit wird nach Erbteilen berechnet, nicht nach der Zahl der Miterben.
  • Unaufschiebbare Maßnahmen, also Maßnahmen, die dringend erforderlich sind, um eine Beeinträchtigung des Nachlasses zu vermeiden (z.B. Reparatur einer defekten Heizung in den Wintermonaten), kann jeder Miterbe allein mit Wirkung für alle Erben treffen.
  • Als Miterbe können Sie Ihren Erbteil insgesamt an einen Dritten übertragen. Sie können den Erbteil verkaufen oder verschenken. Sie können Ihren Anteil auch nur zu einem Bruchteil auf einen Dritten übertragen. Der Übertragungsvertrag bedarf allerdings immer der notariellen Beurkundung.
  • Verkauft ein Miterbe seinen Erbteil an einen Dritten, so steht den übrigen Miterben ein gesetzliches Vorkaufsrecht zu. Dieses ist aber nur beim Verkauf gegeben. Verschenkt der Miterbe seinen Anteil, so müssen die anderen Miterben dies hinnehmen.
  • Das Vorkaufsrecht steht allen in der Erbengemeinschaft verbliebenen Miterben gemeinschaftlich zu. Dazu gehört nicht ein Miterbe, der seinen Erbteil bereits veräußert hat. Wenn ein Miterbe das Vorkaufsrecht nicht ausüben will, steht es den anderen Miterben allein zu.
  • Als Miterbe haben Sie einen Anspruch gegenüber Ihren anderen Miterben, dass die gemeinschaftlichen Nachlassverbindlichkeiten beglichen werden. Soweit erforderlich, sind Nachlassgegenstände zu veräußern und in Geld umzusetzen. Dies bedarf der Zustimmung aller Miterben. Einen Miterben, der dem widerspricht, müssen Sie auf Zustimmung verklagen.
  • Für gemeinschaftliche Nachlassverbindlichkeiten, also für Verbindlichkeiten, mit denen alle Miterben belastet sind, haften diese gesamtschuldnerisch. Das bedeutet, dass jeder Miterbe für die jeweilige Nachlassverbindlichkeit in vollem Umfang einzustehen hat.
  • Als Miterbe können Sie die Nachlassgläubiger öffentlich auffordern, ihre Forderungen binnen sechs Monaten bei Ihnen oder beim Nachlassgericht anzumelden. Ist die Aufforderung erfolgt, dann haften Sie nach der Teilung des Nachlasses nur für den Ihrem Erbteil entsprechenden Teil der Forderung, wenn nicht vor dem Fristablauf die Anmeldung erfolgt oder die Forderung Ihnen zur Zeit der Nachlassteilung bekannt ist.
  • Als Miterbe haben Sie gegenüber den übrigen Miterben einen Anspruch auf Aufteilung des Nachlasses, den Sie gegebenenfalls im Wege der Klage geltend machen müssen. Ihr Anspruch ist darauf gerichtet, dass die übrigen Miterben bei der Auseinandersetzung mitwirken, das heißt u.a. der Tilgung der Nachlassverbindlichkeiten, dem Auseinandersetzungsplan und dessen Vollziehung zustimmen müssen.
  • Wenn sich alle Miterben einig sind, können sie vom durch den Erblasser angeordneten Verbot der Nachlassteilung abweichen. Erforderlich ist also die Zustimmung aller Miterben. Als Miterbe können Sie die Nachlassteilung trotz eines Nachlassverbots verlangen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Das wäre z.B. der Fall, wenn die Miterben untereinander so zerstritten sind, dass eine gemeinsame Verwaltung des Nachlasses nicht mehr möglich ist.
  • Die Miterben können einvernehmlich auch eine vom Gesetz abweichende Nachlassteilung vornehmen. So können z.B. einem Miterben Nachlassgegenstände gegen Übernahme der Verpflichtung zugeteilt werden, bestimmte Nachlassverbindlichkeiten zu begleichen. Auch der Erblasser kann vom Gesetz abweichende Anordnungen treffen.
  • Ein Abkömmling, der durch Mitarbeit im Haushalt, Beruf oder Geschäft des Erblassers während längerer Zeit, durch erhebliche Geldleistungen oder in anderer Weise in besonderem Maße dazu beigetragen hat, dass das Vermögen des Erblassers erhalten oder vermehrt wurde, kann bei der Auseinandersetzung eine Ausgleichung unter den Abkömmlingen verlangen, die mit ihm als gesetzliche Erben zur Erbfolge gelangen. Dies gilt auch für einen Abkömmling, der den Erblasser während längerer Zeit gepflegt hat. Eine Ausgleichung kann nicht verlangt werden, wenn für die Leistungen ein angemessenes Entgelt gewährt oder vereinbart worden ist oder soweit dem Abkömmling wegen seiner Leistungen ein Anspruch aus anderem Rechtsgrund zusteht.
  • Wenn die Erben keine Einigung über die Teilung des Nachlasses erreichen, kommt als letzter Weg zur Beendigung der Erbengemeinschaft die sogenannte Auseinandersetzungsklage in Betracht. Sie ist auf die Zustimmung zu einem bestimmten Aufteilungsplan gerichtet.
  • Die Auseinandersetzungsklage ist letztlich der einzige rechtliche Weg, die gewünschte Nachlassteilung zwangsweise durchzusetzen, wenn eine einvernehmliche Teilung unter den Miterben nicht zustande kommt. Allerdings handelt es sich hier um ein aufwändiges und unter Umständen kostenträchtiges gerichtliches Verfahren mit einem für den Kläger beträchtlichen Prozessrisiko.
  • Bevor Sie als Miterbe eine Auseinandersetzungsklage erheben, sollten Sie in jedem Fall fachkundigen Rat bei einem Anwalt einholen. Wenn die Klage wegen des Streitwerts vor dem Landgericht zu erheben ist, besteht ohnehin Anwaltszwang. 

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